Bücherschrank aus einem Herrenzimmer von Albert Koblinsky
- Eisenhofer Antik
- 30. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Feb.
Der Breslauer Architekt Albert Koblinsky wurde zu seiner Zeit von Henry van de Velde geschätzt und zählte zur ersten Riege der Breslauer Architekten. Qualität und Details eines von ihm entworfenen Jugendstil-Schrankes verwiesen von Anfang an auf einen renommierten Entwerfer. Ein Blick in die Literatur beweist hier nicht nur Koblinsky als Designer sondern zeigt auch, dass die Details und Beschläge des Möbels original sind.
Der Korpus des Schrankes ist in Eiche gearbeitet und die beeindruckende Glasfront mit erhabenen irisierenden eigens gearbeiteten Glasscheiben gearbeitet. Alle Messingbeschläge der Zeit sind erhalten. Die Schranktüren werden innovativ von Klavierbändern gehalten.

Im Juni-Heft der Zeitschrift „Innen-Dekoration“ resümiert Henry van de Velde die derzeitigen Entwicklungen in der Möbelkunst und spricht sich für ein Primat der Form in Ablehnung vegetabiler Ornamentik aus. Neben Margarete Junge und Gertrud Kleinhempel geht er auch auf Albert Koblinsky ein, dessen Herrenzimmer sich als bildliche Reproduktion im Juni-Heft des Jahrgangs 1902 findet.
Anlässlich einer im vorigen Winter im Kunstgewerbe-Museum zu Breslau veranstalteten Ausstellung hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit die Möbel Koblinskys zu sehen. Beim Anblick der in diesem Heft enthaltenen Reproduktionen werden die Leser der Innen-Dekoration nicht mehr daran zweifeln, dass die Werke Koblinskys zu der Schule der verstandesmässigen und folgerechten Konstruktionen gehören. Sein Bemühen, sich von diesen Prinzipien inspirieren zu lassen ist gewiss, und wenn auch einige, diesen Prinzipien fremde Einflüsse, die Wirkung des Ensembles stören, so bleibt nichtsdestoweniger die Kraft seiner Werke so augenscheinlich, dass dies darauf schliessen lässt, dass sie über das, was sie zu bekämpfen bestrebt ist, die Oberhand behalten wird.“ S. 159
Albert Koblinsky war der Sohn von Julius Koblinsky, der ein Möbel-Ausstattungsmagazin in Breslau führte und dem die Innenausstattung des Warenhaus Gebrüder Barasch um 1904 zugeschrieben wird. In dem folgenden Jahrzehnt werden Albert Koblinskys Inneneinrichtungen mehrfach in der Presse erwähnt. Van de Velde erwähnt ihn gar als den Haupt-Vertreter des neuen Stils in Breslau:
„Ich glaube, dass man noch die Lebenskraft dieser Schule bestreitet, wenn sie sich schon ganz Deutschland bemächtigt haben wird. In Berlin werden die von mir gepflanzten Keime für die Arbeit genügen; Riemerschmid hat in München die Oberhand; Behrens und P. Huber triumphieren in Darmstadt; in Dresden nimmt Kühne den ersten Platz ein; in Breslau setzt man auf Koblinsky grosse Hoffnungen [..]:“ S.159f
In der Abbildung der Zeitschrift "Die Innen-Dekoration" ist die Farbigkeit des Büscherschrankes nicht zu sehen, umso wertvoller ist es, das originale Stück vorliegen zu haben und zu sehen wie die Elemente sich durch Material und Farbe voneinander abheben. Nahezu nicht auf den Fotos zu erkennen sind die irisierenden Kuppeln, kleine Meisterwerke der Glaskunst, die sich in den zwei großen Glasscheiben finden, die nur in zierliche Geometrische Stege gefasst wurden.
Das Stück zeichnet die Spannung zwischen gerader Linie und organischen Formen aus. Ein zentraler sechseckiger Aufbau fußt auf einem organisch vorspringenden Schubladenelement im Sockel mit runden schlichten Messinggriffen.
Links und rechts im Sockelbereich befinden sich zwei abschliessbare Schrankfächer mit Schlüsselführungen in Messing und darübergesetzten Messing-Knäufen.
Darüber befinden jeweils drei Regalfächer, die in eine beeindruckende organische Dachkonstruktion auslaufen. In den Seitenwänden finden sich ornamentale Aussparungen.
Die Kassettierung der Rückwand ist in hoher handwerklicher Qualität gearbeitet. Zwei zeittypisch-organisch gestaltete Griffe befinden sich über den schlichten originalen in Messing eingelegten Schlüsselführungen.
Der Architekt Albert Koblinsky, geboren am 13. Dezember 1868 in Breslau, wohnte und arbeitete später in München bis zu seiner Umsiedelung nach Meran ca. 1932. Um der Verfolgung durch seine jüdische Herkunft zu entgehen, scheint er später zusammen mit seiner Frau Olga nach Brasilien emigriert zu sein, wo beide bis zu ihrem Tod lebten.

















Maße ca. 190 cm x 190 cm
Der Schrank befindet sich in einem guten unrestaurierten Zustand, da es sich in erster Linie um ein authentisches Sammlerstück handelt. In der rechten Seitenwand befinden sich geringe Schwundrisse. An der oberen rechten Säule kleinere Fehlstellen (siehe Fotos). Eine eventuelle Restaurierung erfolgt erst in Abstimmung mit dem künftigen Besitzer je nach wohnlichem oder sammlerischem Schwerpunkt.
LITERATUR: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort,Darmstadt 1902: Artikel: Velde, Henry van de: Werkstätten für Handwerk,
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